Verfolgung

(Prosatext ohne Reim, mit Umbruch)

Ich habe Kurznachrichten gesendet
an niederländische, belgische, britische, singapurische Mobiltelefonnummern,
die alle seit Stunden taubstumm sind,
die mit Dir über den Himmel ziehen –
Du kannst mich nicht lesen.

Du bist unterwegs
von weit weg
nach ganz woanders hin
und berührst nicht mal meinen Breitengrad,
von den Längen ganz zu schweigen,
die uns auseinanderhalten.

Wie soll ich da die Stunden zählen
und den Abstand messen,
wenn Du Dich grade dranmachst
zwischen morgen und gestern
an der Datumsgrenze zu zupfen,
wenn Du Erdteile unter Dir umherschiebst
und mir Ozeane in den Weg wirfst?

Zeitzonenzerzaust geistere ich –
erneut zum letzten Mal –
durch Berechnungen,
die sich zu immer kleineren Warteräumen ergeben müssten,
verlaufe mich
und komme stets nur ein paar Minuten später
zu früh aus der Ablenkung zurück.

Ich habe Geodäten nachgezogen,
Windrichtungen ausgeforscht
und bin nicht erst am Kontinentaldrift gescheitert –
wie soll ich wissen, wo ich mich befinde,
wenn Du Dich ständige bewegst?
Halt mich still!