Nachbarschaftshilfe
Gefleht habe ich, zu allem was Hoffnung versprach, angebettelt habe ich Götter, Geister und Dämonen, dass mir etwas in den Weg geworfen würde, ein Körper, ein Gesicht, eine Ablenkung. Etwas das, schon bevor es sichtbar wird, notgeil riecht und mir den Alltag raubt. Etwas ohne Befinden, Bedenken, Bewusstsein. Einfach nur zwei Beine, Arme, Hintern, Geschlechtsmerkmale, nettes Gesicht, Haare - egal welche Farbe. Egal, alles egal - nur nicht davonlaufen wenns ans Zugreifen geht. Von mir aus billig und schnell, gerne auch verkommen oder mir verfallen. Geschworen hab ich es: die Details sind nebensächlich - nur bitte wieder ficken. Endlich wieder ficken! Mit meinem Gewissen würde ich es aufnehmen, habe ich gesagt, gelacht habe ich bei dem Wort Gewissen, weil ich mir sicher war, über derartige Ladehemmungen nicht zu verfügen. Von mir aus hätte sich die nächstbeste Schlampe in mein Bett werfen können, einen geilen Ausdruck aufsetzen müssen und es wäre losgegangen. Irgendwas, das nur einen Deut übers Onanieren hinausging - eine Chance für den Schwanz. Und für die Lippen und die Zunge, etwas zum auslutschen und schmecken, eine Gaumenreinigung. Bei den Scheinheiligen der sexuellen Revolution, ich hatte es wirklich nötig.
Dann traf ich Katrin im Zug. Draußen fiel seit zwei Stunden Regen in den Abend eines überhitzten Tages. Das Abteil war angefüllt mit Menschen, schwüler Hitze und dem Gestank von nassen Mänteln und Haaren.
Katrin ist meine Nachbarin und eine jener Frauen, bei denen man sich als Mann anstrengen muss, um ihre Weiblichkeit zu schätzen: sie ist klein, hat ein Mondgesicht und Straßenköterhaare, ihre Bewegungen sind fahrig, ihre Stimme zu laut, ihr Hals zu kurz. Sie ist, wie man sagt, in erster Linie Mensch.
An diesem Abend kam sie durch das überfüllte Abteil direkt auf mich zu und als ich aufstehen wollte um den Sitz für sie frei zu machen und mich in ein anderes Abteil zu flüchten, lächelte sie, beugte sich zu mir runter und gab mir links und rechts ein Küsschen auf die Wangen. Es gibt keine Begrüßungsform, die ich mehr verabscheue. Man könnte mir alternativ als Willkommensgruß Nadeln durch die Vorhaut rammen, das würde ich gewiss nicht schätzen, aber bei weitem nicht so verachten, wie diese Bussi-Bussi-Schafscheiße.
"Hallo Katrin", der Zug ruckelt vorwärts und alles zitterte widerwillig, sogar der Gestank und die Hitze. Sie legte ihre Hand auf meine Schulter und begann zu erzählen, dass sie den Zug beinahe verpasst hätte, wie überraschend der Regen gekommen war und berichtete dann weiter unaufhaltsam von den Nichtigkeiten ihres Alltags, ohne dass ich eine Chance auf eine Entgegnung gehabt hätte.
Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal mit Ihr unterhalten hatte - wahrscheinlich nie. Ich antwortete ihr belanglos auf ihre belanglosen Fragen und versuchte an ihr vorbei durch die beschlagenen Scheiben etwas von den verregneten Vororten zu sehen. Wie es Markus nur mit dieser Ausgeburt an Stumpfsinn und Langeweile aushielt. Markus ist kein Freund von mir, nur eben ein netter Kerl, ein Nachbar, dem ich nichts schuldig bin, wirklich nicht, aber leid tat er mir schon und wie er täglich oder zumindest wöchentlich einmal seine Pflicht an diesem Weib vollführte, mochte ich mir gar nicht vorstellen.
Es ruckte wieder, ihre kurzen, runden Finger griffen meine Schulter noch fester und sie lachte dabei schrill auf. Die Berührung war deutlich, warm und drang durch das Hemd und weiter durch meine Haut. Ich hob meinen Kopf und sah sie an. Sie redete und redete. "Ehrlich?" fragte ich irgendwann dazwischen, ohne zu wissen, worüber sie gerade sprach und dieser entwürdigende Fetzen Aufmerksamkeit reichte ihr aus, um tatsächlich vor mir in die Hocke zu gehen und ihre Hand nunmehr auf meinen rechten Oberschenkel neu zu positionieren. Sie redete dabei immer weiter, stolperte ihre stell-Dir-vors und hat-sie-gesagt in das Abteil. Mein Gehirn blieb von alledem vollkommen unberührt. Nur ihre warme Hand begann mich zu irritieren. Und das Gewicht ihres Unterarms auf meinem Oberschenkel. Und das Grün ihrer Augen, das zwischen den leeren Sätzen gierig zu mir herauf blickte. Dann sah sie an mir hinab, direkt zwischen meine Beine und mir schoss die Erkenntnis, dass ich einen Ständer hatte, rot durchs Gesicht.
"Hast Du das neue Buch von der Zeh schon gelesen?" fragte sie, während sie ihren Blick nicht abwandte.
"Was?"
"Ich kann's Dir leihen, wenn Du willst."
Der Zug hielt in dem Nest, in dem Katrin, Markus und auch ich wohnen. "Komm" sagte sie und ich nahm meinen Rucksack und trottete hinter ihr her aus den Zug, in den Nieselregen. Schweigend duckte ich mich unter ihren Schirm, den sie zwischen unseren beiden Köpfen balancierte. Wir gingen die Straße hinunter, den Hügel hinauf und der Geruch des nasskalten Tages stieg von der Straße und den kleinen Gärten auf, schwer und besitzergreifend. Sie redete, aber wir hörten beide nicht hin. Ihre Stiefeletten klackten einen beunruhigenden Takt in den Abendregen.
"Wann komm Markus eigentlich wieder zurück?" fragte ich. Ich wusste, dass er momentan auf Dienstreise war.
"Am Samstag" sagte sie. Dann übernahm sie wieder das Unwesentliche unseres Gesprächs. Sie trug die Inhaltsleere und den Regenschirm tapfer bis vor ihr Haus. Vor Markus Haus. Und dann bat sie mich herein. Wegen des Buches.
"Hör zu Katrin, ich bin müde, gib mir das Buch einfach morgen -" aber sie nahm meine Hand und zog mich durch das Gartentor. Die Mauern ihres Hauses ragten in der verlorensten Abgelegenheit vor mir auf, in die ich je geraten war. Aber das Blut. Das Blut pochte durch meinen Unterleib. Schwer, träge und wissend. So langsam, dass mir schwindlig wurde und ich dankbar war für ihre Hand, die mich mitführte. Kaum dass sie die Tür geschlossen hatte fuhr meine Hand in ihr Haar, diesen beinahe blonden Schopf, ich riss ihr den Kopf zurück und meine Lippen pressten sich auf ihren Hals.
"Hinterlass keine Spuren" zischte sie und ich spürte zum ersten Mal ihren Geruch in mir. Eine Woge stechender Abgestandenheit überekelte mich. Ich zuckte zusammen, zog fester an ihrem Haar, um mich wieder zu fangen und verstand, dass ich zu weit gegangen war, um einfach als freundlicher Nachbar wieder durch die Vordertür verschwinden zu können. Der einzige Ausweg führte über das Schlafzimmer und diese Erkenntnis ließ mich hemmungslos vor Verzweiflung in ihr Sakko beißen - meine Zähne gruben sich durch das Polyester in ihre Schulter und ich hörte zum ersten Mal das, was Katrins Stöhnen war. "A" sagte sie. Nichts Langgezogenes, keine Befreiung aus dem Bauch, keine Herzattacke, nur einen einzigen, abgehackten Buchstaben brachte sie hervor. Ein "A" an dem nicht einmal ein Satzzeichen hing.
Nur ein Fehlschlag der Evolution fickt seine Nachbarin, flüsterte mein Restverstand mir zu. Ihre Haut war weiß, trocken und ihr Geruch nahm mir die Lust am Atmen. Und trotzdem war ich geil, sie hatte meine Erektion herbei navigiert und nun konnte ich nicht mehr davonlaufen. Ich schleppte sie an den Haaren die Stufen hinauf, sie stolperte hinter mir her, nur ihre Beine bewegend, ohne weitere Regung. Auf dem beigen Teppich des Schlafzimmers angekommen sagte sie "ich wusste, dass Du das nicht normal machst" und es hörte sich an wie irgendeine obskure Jubiläumsansprache vor dem Bundestag, voller verlogener Begeisterung. Dumpf warf ich sie aufs Bett, zerrte das Sakko, die Bluse von ihrem Körper und als ich mich, überwältigt von der Schärfe ihres Geruchs, an ihren Brustwarzen festhielt, gab sie stakkatoartig mehrere unzusammenhängende "A"s von sich, die mir die Magengrube senkrecht stellten.
"Geh nicht weiter" flüsterte sie leise und ich hätte ihr zu gerne geglaubt, dass sie meinte, was ich hörte. Ich öffnete ihr die Hose und sie leistete keinen Widerstand. Ich riss sie ihr mitsamt dem Slip auf Kniehöhe und hörte wieder nur ein "A". Sie lag halb auf dem Bett, die Beine hingen herab und ich musste mich überwinden ihr die Stiefeletten zu öffnen und sie ihr von den Füßen zu ziehen. Die Socken offenbarten eine potenzierte Variante ihres Körpergeruchs und alles was danach geschah ging unter Ausschluss meiner Zurechnungsfähigkeit vor sich.
Nun stehe ich vor ihr und sie liegt nackt auf dem Bett. Die Region um ihr Geschlechtsteil ist überwuchert, in etwa so, wie ich mir die noch intakten Teile des Amazonasdschungels vorstelle. Jeden Moment kann unter dem langen Haar ein Säugetier hervorblicken und mich anspringen. Meine Hände ruhen auf ihren Oberschenkeln, ich zittere. Es wäre leichter, hätte ich ein Kondom bei mir. Sie wird mir keines von denen geben, die Markus normalerweise verwendet, um sich vor gemeinsamen Nachwuchs mit ihr zu schützen. Zudem hat sich mein Schwanz auf eine Größe zurückgezogen, die ich ihm in jeder anderen Situation übel nehmen würde.
Ich beuge mich vor. Der Geruch umfängt mich erbarmungslos und als ich mit den Daumen in ihren Haaren wühle, um die Schamlippen zu finden und freizulegen, höre ich ihr "A - A - A" aus meiner Verdammnis zu mir herüberdringen.