Sprachunterricht
Sie saß neben mir auf der Couch und hatte ihre nackten Füße unter meinen Oberschenkel geschoben. Wir waren beide betrunken, hatten uns nach zuviel Wein und Bier spät am Abend kennengelernt und nun saß sie hier, obwohl sie vehement verneint als ich sie zu mir eingeladen hatte. Wir sprachen Englisch miteinander, da ihr Deutsch und mein Finnisch nicht mal ausreichten um einen Hund zu verscheuchen.
Auf dem Weg von der Bar hatte sie mir gesagt, dass sie einen Freund hatte und drei Jahre älter war als ich. Das sah ich ihr in meinem Zustand nicht mehr an. Und ihrem Zungenpircing auch nicht, dass manchmal zwischen ihren Lippen hervorfunkelte. Ich will Dich aber nicht küssen - das mach ich nur wenn ich verliebt bin, hatte sie auf dem Weg gesagt. Kein Problem, hatte ich gelogen.
Unser Gespräch war nicht sehr strukturiert und schaukelte wie der Boden unter mir hin und her. Aus einem Grund, an dem ich mich gar nicht mehr erinnern möchte, selbst wenn ich es könnte, stritten wir mit einem Mal darüber ob das englische Wort "wood" auch für Wald stehe oder nicht. Zuerst erschien sie mir zu hitzig, dann gefiel es mir wie sie mit ihren Händen herumhampelte und mir mit erregtem Gesichtsausdruck klarmachte, dass wood Holz heißt, nur Holz und sonst nichts anderes.
Ich ließ sie reden und recht haben, nahm ihre angewinkelten langen Beine in meine Hände, legte sie auf meinen Schooß, was die nicht bemerkte, und zog sie zu mir her. Sie redete noch immer als ich sie küsste. Endlich wieder eine richtige Frau, von der man nie zu hören bekam was sie wirklich dachte. Manche Männer taten diese fantastische Eigenschaft des anderen Geschlechts als unlogisch und widersprüchlich ab. Ich war jeder, die dieses Verhalten an den Tag legte, hilflos verfallen. Das ließ ich sie natürlich nicht spüren.
Der Kuss dauerte noch viel länger als meine Überlegungen zum Thema Frau. Er wurde nur unterbrochen um Wäsche über den Kopf zu streifen und um etwas später ein paar Mal den notwendigen Atem zu holen. Ab und zu gab sie auch einige finnische Worte von sich, die ganz nach Äußerungen größten Wohlbefindens klangen, aber das mochte mir meine vom Alkohol übersteigerte Selbstgefälligkeit auch nur weismachen. Was genau vor dem Einschlafen noch geschah liegt jenseits unser beider Erinnerungen.
Mein Wecker klingelte um neun, um elf hatte ich eine Besprechung. Ich wachte auf und spürte einen nackten Körper neben mir und meine Hand legte sich, ohne bei mir nachzufragen, auf den Po, der sich daraufhin leicht bewegte. Mein Hirn war immer noch nicht wach als mein Schwanz bereits vor Steifheit schmerzte und sich an sie drängte, um sich abzureagieren. Ich drehte sie auf den Rücken und sie sah mich aus ihren Augenschlitzen an. Ei, sagte sie verschlafen - und das heißt nein. Oh Mädchen, komm schon, mach mich hier nicht zum Selbstbefriediger vor Deinen Augen. Eine Armee von Zwergen begann mit ihren Hämmern von innen gegen meine Schädeldecke zu schlagen - der Alkohol rächte sich von Mal zu Mal heftiger. Meine Hand fuhr zwischen ihre Oberschenkel. Keine Reaktion. Das durfte doch nicht wahr sein. Der Schwanz drothe mit einer Verfassungsbeschwerde wenn jetzt nicht gleich was passieren würde. Mehr unsicher als mit Gewißheit gesegnet hob ich die Hand und schlug auf ihren Oberschenkel. Ei, flüsterte sie heiser und das hörte sich nicht wie ein überzeugtes Nein an. Ich schlug erneut zu und die Pforten des Himmels öffneten sich weithin sichtbar, mit ihnen ihre Augen.
Sie sah mich an und ich blickte verächtlich auf sie zurück. Ihr Mund ging auf, aber ich wollte die Lippen nicht mehr küssen. Meine Hände hielten ihre Handgelenke fest und sie zischte mir mit falscher Wut finnische Wortfetzen entgegen, die meinen Körper sanft berührten. Ihre Mundwinkel zuckten, sie warf ihren Kopf herum, sie wand sich in meinem Griff und an der Oberlippe zeigte sich das Piercing. Ei, ei, ei flüsterte sie mit immer längeren Pausen. Dann stemmte sie sich mit ganzer Kraft gegen meinen Griff, aber das geschah längst nicht mehr aus Gegenwehr. Sie schrie etwas, das in keiner und in jeder Sprache Sinn macht. Zwei Bewegungen später zog ich ihn raus und erlaubte mir auf ihren Bauch zu kommen.
Als mein Atem wieder gleichmäßig ging bemerkte ich, dass die Baustelle in meinem Kopf inzwischen die Größe des Potzdamer Platzes angenommen hatte. Dort war von Erleichterung keine Spur. Meine Hände ließen sie los, sie bewegte sich nicht. Ich holte die Rolle Küchentücher unter dem Bett hervor und riss drei Blätter ab. Gerade als ich ihr gewissenhaft den Bauch abwischen wollte, hörte ich ihr sanftes Ei noch einmal. Ich sah sie an. Sie stützte sich auf ihren Unterarmen ab - ihr Gesicht strahlte entspannt. Vorsichtig nahm sie mir das Papier aus der Hand, sank lächelnd auf das Bett zurück und ließ mich ins Bad gehen.
Sie war verschwunden bevor ich aus der Dusche kam. Auf dem Bett lagen einige zerknüllte Papiertücher. Zu der Besprechung kam ich zu spät.